Wer vor zwanzig Jahren ein Rezept einlösen oder ein Medikament kaufen wollte, ging meist ganz selbstverständlich in die nächstgelegene Apotheke. Die Entscheidung fiel selten bewusst – sie war vielmehr eine Frage der Nähe. Gute Beratung, persönliche Beziehungen und ein fester Platz im Stadtbild sorgten dafür, dass viele Menschen ihrer Stammapotheke über Jahre treu blieben.
Heute sieht die Situation anders aus.
Nicht, weil die Vor-Ort-Apotheke an Bedeutung verloren hätte. Im Gegenteil: Laut einer aktuellen forsa-Umfrage im Auftrag der ABDA halten 96 Prozent der Deutschen Apotheken weiterhin für wichtig, und fast zwei Drittel besuchen mindestens einmal im Monat eine Apotheke.¹ Das Vertrauen ist also nach wie vor groß.
Verändert hat sich jedoch der Weg, auf dem dieses Vertrauen entsteht.
Der erste Eindruck entsteht heute oft online
Bevor viele Menschen heute eine Apotheke betreten, greifen sie zunächst zum Smartphone. Sie suchen nach Öffnungszeiten, lesen Bewertungen, prüfen, ob ein Botendienst angeboten wird oder ob die Apotheke das E-Rezept akzeptiert. Der erste Kontakt findet deshalb häufig nicht mehr an der Eingangstür statt, sondern bereits in den Suchergebnissen von Google.
Dass dieses Verhalten längst zum Alltag geworden ist, zeigt eine aktuelle Studie von BrightLocal. Demnach haben 84 Prozent der Verbraucher innerhalb der letzten drei Monate online nach einem lokalen Unternehmen gesucht. Google und Google Maps sind dabei die wichtigsten Anlaufstellen, wenn es darum geht, sich einen ersten Eindruck zu verschaffen oder eine Entscheidung zu treffen.²
Dieses Verhalten kennen wir längst aus anderen Bereichen unseres Alltags. Ob Restaurant, Friseur oder Werkstatt – häufig beginnt die Suche online. Warum sollte das bei einer Apotheke anders sein?
Auch hier informieren sich Patient:innen zunehmend vor ihrem Besuch über Leistungen, Bewertungen oder die Erreichbarkeit einer Apotheke. Der erste Eindruck entsteht damit oft schon lange, bevor das erste persönliche Gespräch stattfindet.
Marketing bedeutet heute vor allem, Orientierung zu geben
Modernes Marketing bedeutet für eine Apotheke vor allem, Orientierung zu schaffen. Patient:innen möchten wissen, welche Leistungen angeboten werden, ob ein Botendienst verfügbar ist, welche pharmazeutischen Dienstleistungen durchgeführt werden oder wie einfach sich ein Rezept einlösen lässt.
Eine gepflegte Website, vollständige Informationen bei Google oder verständliche Hinweise zu den eigenen Leistungen sind deshalb längst keine klassischen Werbemaßnahmen mehr. Sie helfen vielmehr dabei, Vertrauen aufzubauen und Patient:innen die Entscheidung zu erleichtern.
Denn wer nicht weiß, welche Angebote eine Apotheke bereithält, kann sie auch nicht nutzen.
Gute Beratung beginnt nicht erst am HV-Tisch
Die persönliche Beratung war schon immer eine der größten Stärken der Vor-Ort-Apotheke. Doch auch dieser Moment hat sich verändert.
Früher begann die Beratung mit dem Betreten der Apotheke. Heute beginnt sie häufig schon vorher. Wer online verständlich erklärt, welche Leistungen angeboten werden, wer Fragen beantwortet oder hilfreiche Informationen bereitstellt, vermittelt bereits vor dem ersten Besuch Kompetenz und Verlässlichkeit.
Das persönliche Gespräch bleibt zwar der wichtigste Baustein einer guten Patientenversorgung – der Weg dorthin beginnt heute jedoch häufig digital.
Der Wettbewerb hat sich verändert
Hinzu kommt, dass Apotheken heute in einem völlig anderen Umfeld arbeiten als noch vor einigen Jahren.
Neben anderen Vor-Ort-Apotheken konkurrieren sie inzwischen auch mit Versandapotheken, Gesundheitsplattformen, Suchmaschinen und digitalen Gesundheitsangeboten. Gleichzeitig ermöglicht das E-Rezept den Patient:innen eine deutlich freiere Wahl, wo sie ihr Rezept einlösen möchten.
Gerade deshalb gewinnt Sichtbarkeit an Bedeutung. Nicht, weil gute Beratung plötzlich weniger wichtig wäre, sondern weil sie erst dann wirken kann, wenn Patient:innen überhaupt auf eine Apotheke aufmerksam werden.
Sichtbarkeit ist Teil moderner Gesundheitsversorgung
Viele Apotheken leisten heute weit mehr als die klassische Arzneimittelabgabe. Botendienste, pharmazeutische Dienstleistungen, Medikationsanalysen oder digitale Services gehören längst zum Alltag vieler Betriebe.
Dennoch wissen viele Patient:innen gar nicht, welche Möglichkeiten ihnen ihre Apotheke tatsächlich bietet.
Hier zeigt sich, dass gute Kommunikation weit mehr ist als Marketing. Sie sorgt dafür, dass Leistungen überhaupt wahrgenommen werden und Patient:innen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. Sichtbarkeit wird damit nicht nur zu einem Wettbewerbsfaktor, sondern auch zu einem Bestandteil moderner Gesundheitsversorgung.
Die Vor-Ort-Apotheke genießt nach wie vor großes Vertrauen. Daran haben weder Digitalisierung noch Versandapotheken etwas geändert.
Was sich verändert hat, ist die Art und Weise, wie Patient:innen ihre Entscheidungen treffen. Der erste Kontakt entsteht heute häufig online, der erste Eindruck oft noch vor dem ersten Besuch. Gute Beratung beginnt deshalb nicht erst am HV-Tisch, sondern bereits dort, wo Patient:innen nach Informationen suchen.
Marketing bedeutet für Apotheken heute daher nicht, lauter zu werden oder mehr Werbung zu machen. Es bedeutet vielmehr, die eigenen Stärken sichtbar zu machen, Orientierung zu geben und Vertrauen dort aufzubauen, wo die Patient Journey inzwischen beginnt.
Denn eine gute Apotheke muss heute nicht nur gut sein. Sie muss auch gefunden werden.

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¹ ABDA – forsa-Umfrage: 96 Prozent der Deutschen halten Apotheken für wichtig
https://www.abda.de/aktuelles-und-presse/veranstaltungen/detail/forsa-umfrage-96-prozent-der-deutschen-halten-apotheken-fuer-wichtig/
² BrightLocal – Local Consumer Search Behavior Study 2025
https://www.brightlocal.com/research/consumer-search-behavior-channels/
