Seit letzter Woche sorgt der Entwurf der Bundesregierung zur Apothekenreform 2025 für heftige Diskussionen in der Branche. Während das Bundesgesundheitsministerium die geplanten Maßnahmen als längst überfällige Modernisierung einordnet, sprechen Vertreter:innen der Apothekerschaft und Ärzteschaft von einem gefährlichen Experiment – vor allem mit Blick auf die Versorgungssicherheit und die Verantwortung vor Ort.
📄 Was die Reform vorsieht
Ziel der Reform ist es, das Apothekennetz langfristig zu stabilisieren, bürokratische Hürden abzubauen und Apotheken mehr Eigenverantwortung zu geben. Gleichzeitig soll das System moderner, flexibler und digitaler werden.
Ein zentrales Element ist die geplante Verhandlungslösung beim Apothekenhonorar. Künftig sollen Anpassungen direkt zwischen den Vertragspartnern der Selbstverwaltung verhandelt werden – mit klar definierten Leitplanken und wirtschaftlichen Indizes. Damit erhält die Apothekerschaft zwar mehr Mitgestaltung, kurzfristige finanzielle Entlastung ist jedoch nicht in Sicht.
Um den Erhalt des flächendeckenden Apothekennetzes zu sichern, sieht die Reform neue Zuschläge für Landapotheken vor. Diese sollen über eine Anhebung der Nacht- und Notdienstpauschale finanziert werden. Auch Teilnotdienste (zwischen 20 und 22 Uhr) sollen künftig bezuschusst werden, um Personal zu entlasten und flexiblere Konzepte zu ermöglichen.
Darüber hinaus sollen Zweigapotheken einfacher gegründet werden können – vor allem in Regionen mit eingeschränkter Arzneimittelversorgung. Damit reagiert das BMG auf den zunehmenden Apothekenrückgang in ländlichen Räumen.
Ein weiterer Punkt betrifft die Fachkräftesicherung. So sollen Apotheker:innen mit ausländischem Abschluss künftig auch Apotheken gründen dürfen, und PTA können sich künftig weiterqualifizieren, um Apotheken zeitweise zu vertreten. Das Ziel: mehr Flexibilität und Entlastung in der Personalstruktur – allerdings sehen viele darin auch ein Risiko für die pharmazeutische Qualitätssicherung.
Parallel will das Ministerium mit neuen pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) die Präventionsarbeit der Apotheken stärken – etwa durch Leistungen zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder tabakassoziierten Erkrankungen. Außerdem sollen Apotheken künftig alle Nicht-Lebend-Impfungen durchführen dürfen. Auch Schnelltests auf Influenza, Noro- oder RSV-Viren sollen wieder erlaubt werden.
Am meisten Aufmerksamkeit zieht jedoch ein anderer Punkt auf sich: Apotheken sollen künftig in klar definierten Fällen auch verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne ärztliches Rezept abgeben dürfen – etwa bei bekannter Dauertherapie oder akuten, unkomplizierten Erkrankungen.
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🧑⚕️ Scharfe Kritik aus der Branche
Die Reaktionen auf die Reform ließen nicht lange auf sich warten.
ABDA-Präsident Thomas Preis bezeichnete den Entwurf als enttäuschend. Seit über 13 Jahren sei das Apothekenhonorar eingefroren, während die Kosten um über 60 Prozent gestiegen seien. Rund 20 Prozent aller Apotheken hätten in den letzten zehn Jahren schließen müssen – eine Entwicklung, die ohne echte wirtschaftliche Stärkung weitergehen werde. „Von der dringend benötigten Honoraranpassung ist im Reformpapier keine Rede“, so Preis. Die neue Verhandlungslösung greife zu spät und biete keine kurzfristige Perspektive.
Auch die geplante PTA-Vertretungsregelung sieht die ABDA kritisch. Eine Apotheke könne nur dann zuverlässig versorgen, wenn jederzeit eine approbierte Fachkraft vor Ort sei.
Noch deutlicher fällt die Kritik des Hausärzteverbands aus. Hauptgeschäftsführer Markus Beier warnt, dass die geplante Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel ohne Rezept „ein gefährliches Vorhaben“ sei, das Fehlmedikationen Tür und Tor öffne. „Ob eine Erkrankung unkompliziert ist, kann nur durch eine ärztliche Untersuchung festgestellt werden“, so Beier. Die Reform sei ein Irrweg, der weder Hausärzte entlaste noch die Versorgung verbessere.
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💡 Zwischen Modernisierung und Verantwortung
Trotz aller Kritik zeigt der Entwurf, in welche Richtung sich das Apothekensystem künftig bewegen soll: mehr Prävention, mehr Eigenverantwortung und eine stärkere digitale Vernetzung. Die Apotheke soll nicht länger nur Abgabestelle, sondern aktiver Teil der Primärversorgung werden.
Doch genau diese Entwicklung braucht stabile wirtschaftliche Grundlagen. Wenn Apotheken zusätzliche Aufgaben übernehmen sollen – von Impfungen über Medikationschecks bis hin zu Präventionsleistungen –, dann müssen sie diese auch nachhaltig finanzieren können.
🚗 Die Rolle der Vor-Ort-Apotheke – und warum der Botendienst jetzt wichtiger wird
Ob auf dem Land oder in der Stadt: Die Vor-Ort-Apotheke bleibt der niedrigschwellige Zugang zur Gesundheitsversorgung – nah, vertraut und ansprechbar. Gerade dort, wo Praxen überlastet sind oder ärztliche Versorgung fehlt, übernehmen Apotheken zunehmend Verantwortung.
Mit neuen Dienstleistungen, erweiterten Öffnungszeiten und digitalen Schnittstellen (z. B. ePA oder E-Rezept) wächst ihr Einfluss – und auch ihre Reichweite. Der Botendienst wird dabei zum entscheidenden Bindeglied: Er verbindet pharmazeutische Kompetenz mit physischer Erreichbarkeit und sorgt dafür, dass Patient:innen ihre Medikamente zuverlässig und sicher nach Hause erhalten – begleitet von persönlicher Beratung, wenn sie gebraucht wird.
Die geplante Reform gibt Apotheken damit eine klare Richtung vor: Mehr Verantwortung, mehr Nähe, mehr Eigenständigkeit. Wer diese Chancen nutzt, sein Team weiterbildet und den Botendienst gezielt integriert, kann sich nicht nur behaupten, sondern seine Rolle in der Versorgung aktiv ausbauen.
Fazit
Die Apothekenreform ist ein Versuch, ein System zu modernisieren, das unter wachsendem Druck steht. Zwischen Bürokratieabbau und Digitalisierung bleiben jedoch viele Fragen offen – vor allem die nach der wirtschaftlichen Tragfähigkeit.
Eines steht fest: Die Apotheke vor Ort bleibt unverzichtbar. Sie ist mehr als ein Ort der Arzneimittelabgabe – sie ist ein Ort der Gesundheit, Beratung und Prävention. Und mit einem modernen, gut organisierten Botendienst kann sie genau das noch sichtbarer machen.
Welche Maßnahmen der Reform helfen euch konkret im Alltag – und wo seht ihr die größten Hürden (Vergütung, Personal, Prozesse)? Schreibt uns gern eure Sicht!
Danke für eure Aufmerksamkeit! 🤩 Schaut für weitere Einblicke und Lösungen zur Optimierung eurer Lieferprozesse in der Apotheke auf unserer Website vorbei! Bis zum nächsten Mal! 👋


