2025 war für die Apothekenbranche kein leises Jahr. Es war ein Jahr der Gegensätze: wirtschaftlicher Druck und politischer Frust auf der einen Seite, technologische Fortschritte und neue Wege auf der anderen. Selten zuvor wurde so deutlich, wie sehr die Vor-Ort-Apotheke unter Druck steht – und gleichzeitig, wie unverzichtbar sie für die Gesundheitsversorgung in Deutschland bleibt.
In diesem Newsflash werfen wir einen Blick zurück auf das Apothekenjahr 2025: auf das anhaltende Apothekensterben, politische Weichenstellungen, digitale Umbrüche, branchenspezifische Highlights und auf neue Wettbewerber, die den Markt zusätzlich in Bewegung bringen.
📉 Apothekensterben 2025: Ein trauriger Rekord
Ende des dritten Quartals 2025 gab es bundesweit nur noch 16.732 Apotheken – so wenige wie zuletzt 1977. Allein seit Ende 2024 sind 309 Apotheken vom Markt verschwunden. In den ersten neun Monaten des Jahres standen 355 Schließungen gerade einmal 46 Neueröffnungen gegenüber. Besonders alarmierend: Im dritten Quartal 2025 schlossen 71 Apotheken, und erfahrungsgemäß steigen die Zahlen im vierten Quartal weiter an.
Doch hinter diesen Zahlen stehen strukturelle Probleme: Seit über 13 Jahren wurde das Apothekenhonorar nicht angepasst, während Inflation, steigende Löhne, Energiekosten und Bürokratie die Betriebskosten massiv erhöht haben. Die Folge: sinkende Erträge, fehlende Investitionsspielräume und wachsende Schwierigkeiten, Fachpersonal zu gewinnen.
ABDA-Präsident Thomas Preis bringt es auf den Punkt: Mit jeder geschlossenen Apotheke werden die Wege für Patientinnen und Patienten länger – und die Versorgung spürbar schlechter. Besonders in ländlichen Regionen wird diese Entwicklung zunehmend zum Versorgungsproblem.
💻 Die ePA
Neben all den Herausforderungen brachte 2025 auch einen großen Digitalisierungsschritt im deutschen Gesundheitswesen: die Einführung der elektronischen Patientenakte.
Am 15. Januar 2025 startete die ePA offiziell. Bis Mitte Februar stellten die Krankenkassen allen Versicherten, die nicht widersprochen hatten, eine ePA zur Verfügung. Nach einer Testphase in Modellregionen begann am 29. April 2025 der bundesweite Rollout – und seit dem 1. Oktober 2025 ist die Nutzung für alle Leistungserbringer verpflichtend.
Für Apotheken bedeutet die ePA vor allem eines: mehr Verantwortung, aber auch mehr Möglichkeiten. Die digitale Medikationsliste, verknüpft mit dem E-Rezept, hilft dabei, Wechselwirkungen zu erkennen, Medikationsfehler zu vermeiden und Therapien sicherer zu gestalten. Gleichzeitig wächst die Rolle der Apotheke als aktiver Teil des Versorgungsprozesses – nicht nur dokumentierend, sondern beratend und koordinierend.
Die ePA markiert damit einen Wendepunkt: weg von isolierten Informationsinseln, hin zu einer vernetzten Versorgung, in der Apotheken eine zentrale Rolle einnehmen können.
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🏛️ Politik 2025: Apothekenreform – große Erwartungen, große Enttäuschung
Politisch war 2025 ebenfalls ein Schicksalsjahr – allerdings kein positives aus Sicht der Apothekerschaft.
Im Koalitionsvertrag war klar festgehalten: Das Apothekenhonorar sollte nach Jahren des Stillstands von 8,35 Euro auf 9,50 Euro angehoben werden, um die wirtschaftliche Basis der Apotheken zu stärken.
Die Realität sieht anders aus. Die vom Bundeskabinett beschlossene Apothekenreform (ApoVWG) blendet die Honorarfrage vollständig aus. Stattdessen enthält sie strukturelle Änderungen, die nach Einschätzung der ABDA das Apothekensystem weiter schwächen könnten – etwa durch Lockerungen bei der Apothekenleitung oder Eingriffe in bewährte Versorgungsstrukturen.
Thomas Preis spricht von einer verpassten Chance und warnt: Ohne wirtschaftlich gesunde Apotheken lassen sich weder zusätzliche Aufgaben in der Primärversorgung noch neue Dienstleistungen dauerhaft stemmen.
🌿 Medizinalcannabis: Zwischen Liberalisierung und Rückwärtsgang
Ein weiteres politisches Thema 2025 war Medizinalcannabis. Nachdem 2024 mit dem MedCanG neue Freiheiten geschaffen wurden – etwa bei Fernverschreibung und Versand – folgte 2025 eine Kehrtwende.
Das Bundeskabinett beschloss im Oktober 2025 eine Verschärfung des MedCanG, die aktuell im parlamentarischen Verfahren ist. Geplant ist unter anderem:
- ein Verbot der Fernverschreibung
- ein Verbot des Versandhandels für Medizinalcannabis
- persönliche Arztkontakte als Voraussetzung
- Belieferung nur noch über den Botendienst der Apotheke
Für Vor-Ort-Apotheken bedeutet das: neue Verantwortung – aber auch neue Herausforderungen. Der Botendienst wird hier nicht zur Option, sondern zur Voraussetzung für Versorgung, insbesondere für mobilitätseingeschränkte Patient:innen.
Mehr über die Organistation deiner Cannabislieferungen per Botendienst mit apomap kannst du hier nachlesen.
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🎪 expopharm 2025: Innovation trifft Realität
Trotz aller politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten war die expopharm 2025 erneut ein Höhepunkt des Jahres. Unter dem Motto „Für die Zukunft unserer Apotheken“ kamen knapp 27.000 Besucher:innen und rund 500 Aussteller nach Düsseldorf.
Zentrale Themen der Messe waren:
- Medizinalcannabis als fester Bestandteil des Apothekenmarktes
- pharmazeutische Dienstleistungen und Impfungen
- digitale Weiterbildung für Apothekenteams
- Versorgungslösungen für ländliche Regionen
- Wearables und Gesundheitsdaten in der Apotheke
- die wachsende Bedeutung des Botendienstes
Deutlich wurde: Die Branche sucht aktiv nach Antworten auf die strukturellen Probleme – und entwickelt Lösungen, die die Apotheke stärker als erste Anlaufstelle für Gesundheit positionieren.
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🛒 dm startet OTC-Versand
Kurz vor Jahresende sorgte ein weiterer Schritt für Aufsehen: Die Drogeriekette dm startete den Onlinehandel mit rezeptfreien, aber apothekenpflichtigen Arzneimitteln.
Mit mehr als 2.500 OTC-Produkten und zusätzlichen Gesundheitsdienstleistungen positioniert sich dm zunehmend als Gesundheitsanbieter. Apothekerverbände und Politik äußerten deutliche Bedenken: Ohne fachliche Beratung drohe eine Verwässerung der klaren Trennung zwischen Apotheke und Drogeriemarkt.
Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi brachte es auf den Punkt: Mehr Eigenverantwortung sei richtig – aber ohne Beratung könne Selbstdiagnose fatale Folgen haben.
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⭐ Fazit: 2025 war hart – aber richtungsweisend
Das Apothekenjahr 2025 war geprägt von Rückschlägen, Unsicherheit und politischem Stillstand. Doch es hat auch eines sehr klar gezeigt: Die Apotheke vor Ort ist und bleibt systemrelevant.
Gerade in Zeiten von Apothekensterben, Digitalisierung und neuen Wettbewerbern wird deutlich, dass die Zukunft nicht im reinen Verkauf von Medikamenten liegt. Sie liegt darin,
- erster, niedrigschwelliger Ansprechpartner bei Gesundheitsfragen zu sein
- Beratung, Prävention und Versorgung ganzheitlich zu denken
- digitale Tools sinnvoll zu nutzen
- den Botendienst als Teil der Versorgung zu verstehen
- und stärker zusammenzuarbeiten, statt sich gegenseitig zu konkurrenzieren
2025 hat der Branche viel abverlangt. Aber es hat auch gezeigt: Die Apotheke vor Ort hat eine Zukunft – wenn sie ihren Platz im Gesundheitswesen selbstbewusst einnimmt und weiterentwickelt.
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