apomap
FachartikelBlog

đŸ—“ïž Das Apothekenjahr 2025 – Ein System unter Druck

Veröffentlicht am 14. Januar 2026

đŸ—“ïž Das Apothekenjahr 2025 – Ein System unter Druck

2025 war fĂŒr die Apothekenbranche kein leises Jahr. Es war ein Jahr der GegensĂ€tze: wirtschaftlicher Druck und politischer Frust auf der einen Seite, technologische Fortschritte und neue Wege auf der anderen. Selten zuvor wurde so deutlich, wie sehr die Vor-Ort-Apotheke unter Druck steht – und gleichzeitig, wie unverzichtbar sie fĂŒr die Gesundheitsversorgung in Deutschland bleibt.

In diesem Newsflash werfen wir einen Blick zurĂŒck auf das Apothekenjahr 2025: auf das anhaltende Apothekensterben, politische Weichenstellungen, digitale UmbrĂŒche, branchenspezifische Highlights und auf neue Wettbewerber, die den Markt zusĂ€tzlich in Bewegung bringen.

📉 Apothekensterben 2025: Ein trauriger Rekord

Ende des dritten Quartals 2025 gab es bundesweit nur noch 16.732 Apotheken – so wenige wie zuletzt 1977. Allein seit Ende 2024 sind 309 Apotheken vom Markt verschwunden. In den ersten neun Monaten des Jahres standen 355 Schließungen gerade einmal 46 Neueröffnungen gegenĂŒber. Besonders alarmierend: Im dritten Quartal 2025 schlossen 71 Apotheken, und erfahrungsgemĂ€ĂŸ steigen die Zahlen im vierten Quartal weiter an.

Doch hinter diesen Zahlen stehen strukturelle Probleme: Seit ĂŒber 13 Jahren wurde das Apothekenhonorar nicht angepasst, wĂ€hrend Inflation, steigende Löhne, Energiekosten und BĂŒrokratie die Betriebskosten massiv erhöht haben. Die Folge: sinkende ErtrĂ€ge, fehlende InvestitionsspielrĂ€ume und wachsende Schwierigkeiten, Fachpersonal zu gewinnen.

ABDA-PrĂ€sident Thomas Preis bringt es auf den Punkt: Mit jeder geschlossenen Apotheke werden die Wege fĂŒr Patientinnen und Patienten lĂ€nger – und die Versorgung spĂŒrbar schlechter. Besonders in lĂ€ndlichen Regionen wird diese Entwicklung zunehmend zum Versorgungsproblem.

Mehr Infos hier und hier.

đŸ’» Die ePA

Neben all den Herausforderungen brachte 2025 auch einen großen Digitalisierungsschritt im deutschen Gesundheitswesen: die EinfĂŒhrung der elektronischen Patientenakte.

Am 15. Januar 2025 startete die ePA offiziell. Bis Mitte Februar stellten die Krankenkassen allen Versicherten, die nicht widersprochen hatten, eine ePA zur VerfĂŒgung. Nach einer Testphase in Modellregionen begann am 29. April 2025 der bundesweite Rollout – und seit dem 1. Oktober 2025 ist die Nutzung fĂŒr alle Leistungserbringer verpflichtend.

FĂŒr Apotheken bedeutet die ePA vor allem eines: mehr Verantwortung, aber auch mehr Möglichkeiten. Die digitale Medikationsliste, verknĂŒpft mit dem E-Rezept, hilft dabei, Wechselwirkungen zu erkennen, Medikationsfehler zu vermeiden und Therapien sicherer zu gestalten. Gleichzeitig wĂ€chst die Rolle der Apotheke als aktiver Teil des Versorgungsprozesses – nicht nur dokumentierend, sondern beratend und koordinierend.

Die ePA markiert damit einen Wendepunkt: weg von isolierten Informationsinseln, hin zu einer vernetzten Versorgung, in der Apotheken eine zentrale Rolle einnehmen können.

Mehr Infos hier.

đŸ›ïž Politik 2025: Apothekenreform – große Erwartungen, große EnttĂ€uschung

Politisch war 2025 ebenfalls ein Schicksalsjahr – allerdings kein positives aus Sicht der Apothekerschaft.

Im Koalitionsvertrag war klar festgehalten: Das Apothekenhonorar sollte nach Jahren des Stillstands von 8,35 Euro auf 9,50 Euro angehoben werden, um die wirtschaftliche Basis der Apotheken zu stÀrken.

Die RealitĂ€t sieht anders aus. Die vom Bundeskabinett beschlossene Apothekenreform (ApoVWG) blendet die Honorarfrage vollstĂ€ndig aus. Stattdessen enthĂ€lt sie strukturelle Änderungen, die nach EinschĂ€tzung der ABDA das Apothekensystem weiter schwĂ€chen könnten – etwa durch Lockerungen bei der Apothekenleitung oder Eingriffe in bewĂ€hrte Versorgungsstrukturen.

Thomas Preis spricht von einer verpassten Chance und warnt: Ohne wirtschaftlich gesunde Apotheken lassen sich weder zusÀtzliche Aufgaben in der PrimÀrversorgung noch neue Dienstleistungen dauerhaft stemmen.

Mehr Infos hier und hier.

🌿 Medizinalcannabis: Zwischen Liberalisierung und RĂŒckwĂ€rtsgang

Ein weiteres politisches Thema 2025 war Medizinalcannabis. Nachdem 2024 mit dem MedCanG neue Freiheiten geschaffen wurden – etwa bei Fernverschreibung und Versand – folgte 2025 eine Kehrtwende.

Das Bundeskabinett beschloss im Oktober 2025 eine VerschÀrfung des MedCanG, die aktuell im parlamentarischen Verfahren ist. Geplant ist unter anderem:

  • ein Verbot der Fernverschreibung
  • ein Verbot des Versandhandels fĂŒr Medizinalcannabis
  • persönliche Arztkontakte als Voraussetzung
  • Belieferung nur noch ĂŒber den Botendienst der Apotheke

FĂŒr Vor-Ort-Apotheken bedeutet das: neue Verantwortung – aber auch neue Herausforderungen. Der Botendienst wird hier nicht zur Option, sondern zur Voraussetzung fĂŒr Versorgung, insbesondere fĂŒr mobilitĂ€tseingeschrĂ€nkte Patient:innen.

Mehr ĂŒber die Organistation deiner Cannabislieferungen per Botendienst mit apomap kannst du hier nachlesen.

Mehr Infos hier.

đŸŽȘ expopharm 2025: Innovation trifft RealitĂ€t

Trotz aller politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten war die expopharm 2025 erneut ein Höhepunkt des Jahres. Unter dem Motto „FĂŒr die Zukunft unserer Apotheken“ kamen knapp 27.000 Besucher:innen und rund 500 Aussteller nach DĂŒsseldorf.

Zentrale Themen der Messe waren:

  • Medizinalcannabis als fester Bestandteil des Apothekenmarktes
  • pharmazeutische Dienstleistungen und Impfungen
  • digitale Weiterbildung fĂŒr Apothekenteams
  • Versorgungslösungen fĂŒr lĂ€ndliche Regionen
  • Wearables und Gesundheitsdaten in der Apotheke
  • die wachsende Bedeutung des Botendienstes

Deutlich wurde: Die Branche sucht aktiv nach Antworten auf die strukturellen Probleme – und entwickelt Lösungen, die die Apotheke stĂ€rker als erste Anlaufstelle fĂŒr Gesundheit positionieren.

Mehr Infos hier.

🛒 dm startet OTC-Versand

Kurz vor Jahresende sorgte ein weiterer Schritt fĂŒr Aufsehen: Die Drogeriekette dm startete den Onlinehandel mit rezeptfreien, aber apothekenpflichtigen Arzneimitteln.

Mit mehr als 2.500 OTC-Produkten und zusĂ€tzlichen Gesundheitsdienstleistungen positioniert sich dm zunehmend als Gesundheitsanbieter. ApothekerverbĂ€nde und Politik Ă€ußerten deutliche Bedenken: Ohne fachliche Beratung drohe eine VerwĂ€sserung der klaren Trennung zwischen Apotheke und Drogeriemarkt.

Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi brachte es auf den Punkt: Mehr Eigenverantwortung sei richtig – aber ohne Beratung könne Selbstdiagnose fatale Folgen haben.

Mehr Infos hier.

⭐ Fazit: 2025 war hart – aber richtungsweisend

Das Apothekenjahr 2025 war geprĂ€gt von RĂŒckschlĂ€gen, Unsicherheit und politischem Stillstand. Doch es hat auch eines sehr klar gezeigt: Die Apotheke vor Ort ist und bleibt systemrelevant.

Gerade in Zeiten von Apothekensterben, Digitalisierung und neuen Wettbewerbern wird deutlich, dass die Zukunft nicht im reinen Verkauf von Medikamenten liegt. Sie liegt darin,

  • erster, niedrigschwelliger Ansprechpartner bei Gesundheitsfragen zu sein
  • Beratung, PrĂ€vention und Versorgung ganzheitlich zu denken
  • digitale Tools sinnvoll zu nutzen
  • den Botendienst als Teil der Versorgung zu verstehen
  • und stĂ€rker zusammenzuarbeiten, statt sich gegenseitig zu konkurrenzieren

2025 hat der Branche viel abverlangt. Aber es hat auch gezeigt: Die Apotheke vor Ort hat eine Zukunft – wenn sie ihren Platz im Gesundheitswesen selbstbewusst einnimmt und weiterentwickelt.

Danke fĂŒr eure Aufmerksamkeit! đŸ€© Wenn euch die Ausgabe dieser Woche gefallen hat, teilt sie gerne oder lasst uns Feedback in den Kommentaren da. Schaut fĂŒr weitere Einblicke und Lösungen zur Optimierung eurer Lieferprozesse in der Apotheke auf unserer Website vorbei und vergesst nicht, euch fĂŒr mehr spannende Infos, sowie den neuesten News rund um das Thema Last Mile anzumelden! Bis zum nĂ€chsten Mal! 👋

Newsletter

Botendienst-Wissen, einmal im Monat.

Praxis-Tipps, Rechtliches und Produkt-Updates aus der Apotheken-Logistik. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

Mit der Anmeldung stimmst du unserer DatenschutzerklÀrung zu.