Diese Woche widmen wir uns einem Thema, das aktuell in der Apothekerschaft für viel Gesprächsstoff sorgt: dem neuen Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD – und den darin angekündigten Maßnahmen für Apotheken. Die politischen Weichenstellungen der kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, ob Apotheken in Deutschland wieder gestärkt werden – oder weiter unter Druck geraten.
Ein neuer Kurs in der Gesundheitspolitik
Mit dem frisch vereinbarten Koalitionsvertrag rücken die Apotheken wieder verstärkt in den Fokus der Politik. Nach Jahren des Rückgangs – allein 2024 schlossen 530 Apotheken – ist die Notwendigkeit zur Reform unübersehbar. Die neue Koalition setzt deshalb erstmals deutliche Signale:
- Mehr Geld für Land-Apotheken. Die Grundvergütung für rezeptpflichtige Medikamente soll von 8,35 € auf 9,50 € steigen. In strukturschwachen Regionen könnten Apotheken sogar bis zu 11 € erhalten – abhängig vom Versorgungsgrad.
- Regelmäßige Verhandlungen statt starrer Vorgaben. Künftig sollen Apotheken und Krankenkassen die Vergütung regelmäßig neu verhandeln – analog zum Arztbereich. Die letzte Anpassung datiert auf 2013.
- Neue Aufgaben in der Prävention. Apotheken sollen stärker in Vorsorgeleistungen eingebunden werden. Welche Leistungen genau geplant sind, bleibt offen.
- Handlungsfreiheit bei Lieferengpässen. Bei nicht lieferbaren Medikamenten sollen Apotheken mehr Spielraum bekommen – etwa beim Austausch von Präparaten ohne Rücksprache mit dem Arzt.
- Bessere Einkaufskonditionen. Die Koalition will das umstrittene BGH-Urteil zu Skonti gesetzlich revidieren.
- Keine Nullretaxationen bei Formfehlern. Krankenkassen sollen die Zahlung nicht mehr verweigern dürfen, wenn nur ein Formfehler vorliegt und das Medikament korrekt abgegeben wurde.
- Gleichbehandlung für Präsenz- und Versandapotheken. Die Kontrolle der Kühlketten soll verbessert werden, um Sicherheit unabhängig vom Vertriebsweg zu garantieren.
Vorsichtig optimistisch – so reagiert die ABDA
Die Apothekerschaft zeigt sich verhalten zuversichtlich. ABDA-Präsident Thomas Preis sprach beim ABDA-Talk am 10. April von einem „Glücksfall", dass der Vertrag am selben Tag wie das neue ABDA-Positionspapier veröffentlicht wurde. Er sieht darin ein Zeichen, dass die Politik die Bedeutung der Apotheken erkennt.
„Die Politik hat erkannt, dass die Apotheken entscheidend sind für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung." – Thomas Preis
Besonders begrüßt wird, dass das Bundesgesundheitsministerium künftig unter CDU-Führung stehen wird – die ABDA sieht darin eine Chance auf verlässlichen Dialog. Preis verweist gleichzeitig darauf, dass eine Stärkung nicht nur den ländlichen Raum betreffen darf: Auch viele Städte haben mittlerweile eine dünne Apothekenstruktur.
Simone Borchardt (CDU), Mitglied des Bundestages und Gesundheitspolitikerin, lobte den Stellenwert der Apotheken im Koalitionsvertrag und sprach sich für weitere Reformschritte wie „Hausapotheken" aus, um Medikationsfehler zu reduzieren. Dr. Patricia Ex vom BKK Dachverband zeigt sich zurückhaltender: Die geplante Erhöhung der Packungspauschale reiche noch nicht aus, um strukturschwache Regionen wirklich zu stärken.
Was bleibt vom alten Vertrag – und was ist jetzt anders?
Vergangene Koalitionsverträge versprachen viel – umgesetzt wurde oft wenig. Im Koalitionsvertrag 2021 der Ampel-Koalition waren Reformen zwar angedeutet, aber nie konkret ausgearbeitet. Der Koalitionsvertrag 2025 von CDU/CSU und SPD geht deutlich weiter:
- Er enthält erstmals ein eigenständiges Kapitel zur Rolle der Apotheken.
- Die Maßnahmen sind detaillierter – mit konkreten Vergütungssummen und klaren Aussagen zu Dokumentationspflichten, Skonti und Versandhandelsregeln.
- Das Fremdbesitzverbot wird klar bekräftigt.
- Präventionsleistungen sollen gezielt in die Apotheken vor Ort gebracht werden.
Ob diese Versprechen Realität werden, bleibt abzuwarten. Doch der Ton hat sich spürbar verändert – und mit ihm auch die Hoffnung in der Branche.
Was heißt das für den Botendienst?
Eine bessere Vergütung, mehr Spielraum bei Lieferengpässen und ein klarer Auftrag zur Versorgung strukturschwacher Regionen – all das stärkt genau die Apotheken, die bereits heute per Botendienst liefern. Mit apomap planst du diese Touren digital, sparst Zeit im Backoffice und behältst Kühlketten und Zustellungen im Blick.
